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"Caring for natures? Geschlechterperspektiven auf (Vor)Sorge im Umgang mit 'Natur/en'"

Im Rahmen der Ausschreibung "Geschlecht - Macht - Wissen" des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur wurde u.a. das Projekt "Caring for natures? Geschlechterperspektiven auf (Vor)Sorge im Umgang mit Natur/en" von Prof. Dr. rer. soc. Tanja Mölders (Fakultät für Architektur und Landschaft, Leibniz Universität) in Kooperation mit Prof. Dr.-Ing. Sabine Hofmeister (Fakultät Nachhaltigkeit, Leuphana Universität Lüneburg) bewilligt.

 

Zusammenfassung des Antrags:

 ‚Care‘/‚Fürsorge‘ stellt ein aktuell viel beachtetes Thema der Geschlechterforschung dar. Das Forschungsvorhaben setzt in macht- und herrschaftskritischer Perspektive an den theoretischen und gegenstandsbezogenen ‚blinden Flecken‘ der Care-Debatten an. Es wird der Frage nachgegangen, ob und wie die vornehmlich sozialwissenschaftlichen Zugänge zu ‚Care’, die auf die Analyse von Mensch-Mensch-Beziehungen ausgerichtet sind, eine Erweiterung auf den Gegenstandbereich ‚Natur/en‘ ermöglichen. Mit diesem Erkenntnisinteresse wird zugleich das Forschungs- und Politikfeld Nachhaltige Entwicklung adressiert, das einer normativen Orientierung folgt, die die (Vor)Sorge um Menschen und ‚Natur‘ zu verbinden sucht. Die damit vorgenommene Perspektiverweiterung von ‚Sorge‘ auf ‚Vorsorge‘ bildet einen zentralen Zugang im Forschungsvorhaben: Indem das Naturschutzkonzept Prozessschutz untersucht wird, werden solche Handlungsorientierungen, -rationalitäten und Praktiken im Umgang mit ‚Natur/en‘ analysiert, in die die Zukunftsorientierung bereits eingeschrieben scheint (werdende ‚Natur/en‘). Entsprechend ist es das Ziel des Vorhabens, die macht- und herrschaftskritische Perspektive der Geschlechterforschung auf Debatten zu ‚Care’/‚Fürsorge‘ um ein Konzept der Vorsorge für naturbezogene Handlungsbereiche zu erweitern.

 

In empirischen Studien (Dokumentenanalysen und Expert_innen-Interviews) werden zwei unterschiedliche Typen von Schutzgebieten untersucht: Erstens solche, die als ‚alte Wildnis‘ naturnahe Ökosysteme repräsentieren (Teilprojekt 1, Leibniz Universität Hannover), und zweitens anthropogen überformte bzw. geschaffene Ökosysteme als ‚neue Wildnis‘ (Teilprojekt 2, Leuphana Universität Lüneburg). Begleitet werden diese Fallstudien, die jeweils auf zwei Schutzgebiete bezogen sind, durch eine wissenschaftstheoretische und -kritische Analyse: Die biologisch-ökologischen Theorien, Modelle und Kategorien, die die Naturschutzintention stützen (wie Naturdynamik, Bestimmung von ‚Natürlichkeit’ und Bewertung von Ökosystemen), werden geschlechtertheoretisch dekonstruiert (diversu e. V.).

 

Das Vorhaben ist in den Raum-, Umwelt- und Nachhaltigkeitswissenschaften verortet. Der hierin angelegte interdisziplinäre Zugang bildet sich in den Wissenschaftsbiografien der beteiligten Forscherinnen (Umweltwissenschaften, Landschaftsplanung und Biologie/Ökosystemforschung) ab und wird durch diese getragen. Von dem Vorhaben wird ein Beitrag zur Ausdifferenzierung des institutionellen Rahmens der niedersächsischen Geschlechterforschung und zur Nachwuchsförderung erwartet. Die Ergebnisse werden  in gemeinsamen Publikationen dokumentiert. Darüber hinaus werden zwei Dissertationsvorhaben und weiterführende Forschungsperspektiven, z.B. im Blick auf die Anwendung der Forschungsergebnisse in den ‚klassischen‘ Feldern von Care-Tätigkeit etwa im Gesundheits- und Pflegebereich, entwickelt.

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